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Seemansgarn

Seemannschaft/Links
Die Liste der schlechten Omen für Seefahrer ist lang. Dabei kann der Aberglaube religiösen Hintergrund haben. So begann man früher keine Seereise an einem Freitag, dem Tag der Kreuzigung Jesu. Auch zur Stärkung der Moral konnte er dienen: "Schaue nicht in den Hafen zurück, wenn das Schiff ihn einmal verlassen hat." Blumen an Bord bringen angeblich Unglück, weil sie einen Todesfall ankündigen könnten und womöglich später sogar als Schmuck bei der Seebestattung dienen müssen. Das Reichen einer Flagge durch Leitersprossen ist bei hartnäckig Abergläubigen ebenso verpönt wie sich Haare oder Nägel auf See zu schneiden.

Aus Hamburg stammt die Überzeugung, dass in der Flaute mit dem Reiben eines alten Nagels am Fockmast Wind herbeigekratzt werden kann. Viele Riten und Bräuche entstanden zu einer Zeit, als Seefahrt ein lebensgefährliches Geschäft war und viele Naturphänomene noch nicht erklärbar waren.

Ebenso verbreitet ist die Auffassung, es bringe Unglück, den Namen eines bereits getauften Bootes zu verändern. Unter diesen Umständen muss sich der geneigte Abergläubige fragen, ob die Besatzung der ersten deutschen America's-Cup-Jacht "Germany One" ihr Boot nicht doch lieber "Germany Eins" hätte nennen sollen - so wie von Eva Luise Köhler, der Gattin des Bundespräsidenten, ursprünglich getauft. Vielleicht wäre es dann sportlich doch besser gelaufen als mit Platz zehn?
Gegen manchen vermeintlichen Unglücksfaktor können angeblich sogar Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Zwar gilt es, auf dem Weg zu einem Schiff, das zu einer Reise auslaufen soll, Aufeinandertreffen mit rothaarigen Menschen zu vermeiden. Passiert das aber trotzdem, kann dem drohenden Unglück ein Schnippchen geschlagen werden, indem die rothaarige Person zuerst angesprochen wird.

Gut, dass es unter all den bedrohlichen Szenarien auch Glücksbringer gibt. Wird ein Schiff von einem Delfin begleitet oder gar von einem der seltenen Albatrosse überflogen, so soll die Fahrt unter einem guten Stern stehen. Das ist schon fast logisch, denn viele Hochseesegler glauben daran, dass die Seelen ihrer verstorbenen Crew-Kameraden in den majestätischen Albatrossen weiterleben.

Passend zu Ostern hier noch der von französischen Seglern am eifrigsten gepflegte Aberglaube: Hasen an Bord bringen Unheil! Manche behaupten gar, dass nicht einmal das Wort "Hase" an Bord laut ausgesprochen werden darf, und beschreiben lieber "das flauschige Tierchen mit langen Ohren, dessen Namen wir nicht sagen können".
Der Hamburger Segelprofi Tim Kröger, der in den 90er-Jahren für diverse französische Projekte arbeitete, hat die Angsthasen immer wieder erlebt und darüber gelacht. Bis er vor sieben Jahren mit dem inzwischen verschollenen Abenteurer Steve Fossett und dessen Katamaran zu "The Race" aufbrach, einer Nonstop-Regatta um die Welt.
Da nahm das Unheil seinen Lauf. Kröger entdeckte am 13. Januar auf See in einem Schrank mit Hasen bedruckte Küchenrollen. Nur wenige Stunden später brach das Schwert der "PlayStation", und Fossetts Team musste den Traum von der Erdumrundung aufgeben. "Ich bin nicht wirklich abergläubisch", sagte Kröger später, "aber manchmal muss man sich doch wundern ..."

Die Hasen haben sich ihren schlechten Ruf auf See verdient. Unter ihnen litten die Besatzungen von Rahseglern im 18. und 19. Jahrhundert. Als lebende Nahrungsmittel mit auf Reisen genommen, gelang so manchem Langohr die Flucht aus dem Käfig. Mit verheerenden Folgen: Die Hasen nagten nicht nur Proviant, sondern auch Befestigungsleinen an und sollen so gar Schiffe zum Sinken gebracht haben, deren losgerissene Ladung für zu starke Schlagseite sorgten.
 
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